Donnerstag, 19. Dezember 2013

Männertour ... Die Tour auf Sylt ...

Wenn man auf Sylt lebt ... UND so richtig LUST auf eine Männertour hat ... Einfach mit nem Wohnmobil los mochte um Spaß zu haben ...


Wohin fährt man dann?

Ist doch klar ...

MAN BLEIBT AUF SYLT ...

 

Blödsinn sagt IHR ...?

Nein sage ICH ... ;-)

 

Schaut doch selbst, ein Kapitel gibts jetzt hier ...



 
Erst weit nach Mitternacht lagen wir in unseren Betten.

Jeder in seinem und wir konnten die auf das Dach vom Wohnmobil fallenden Regentropfen gut hören.

Der Regen war auch der Grund, weshalb unser schöner Abend plötzlich so abrupt geendet hatte und so hielt nun jeder seine letzte Flasche Bier für diesen Tag in der Hand.
„Einspruch. Und zwar einen energischen!“, rief Franky erbost, als er das letzte Bier für diesen Tag von mir in die Hand gedrückt bekam.
„Dann nehme ich es.“, Carlos streckte seine Hand aus, während ich mich wunderte. Franky war ein Biertrinker wie er im Buche steht. Er trank keine anderen alkoholischen Getränke und ich hatte es, soweit ich mich erinnern konnte, noch nie erlebt, dass er ein Bier ausgeschlagen hatte.
„Dreh mal nicht durch. Mein Bier bekommst Du nicht.“
„Aber Du wolltest doch nicht. Hast Du eben gesagt.“
„Habe ich nicht gesagt.“
„Klar hast Du! Du hast Einspruch gesagt.“
„Stimmt. Aber nicht, weil ich kein Bier mehr möchte.“

Franky hatte irgendwie Recht.
Trotzdem hatte ich keinen Schimmer, was zum Teufel er mit seinem Einspruch meinte. So richtig große Lust auf eine Grundsatzdiskussion hatte ich aber auch nicht und so versuchte ich, die Diskussion mit einem einfachen Trick, der normalerweise immer klappte, zu beenden.

„Prost meine Besten.“, ich hielt meine Flasche hoch und noch bevor Carlos etwas sagen konnte mischte sich Franky schon wieder ein.
„Nö.“
„Was Nö? Sag mal, willst Du uns verarschen?“
„Nö.“
„Auch schön. Ich liebe diese Gespräche.“, ich nahm meine Flasche wieder runter und stellte sie neben mein Kopfkissen.
„Wenn Du soweit bist, sag einfach Bescheid. Ich hoffe nur, dass ich bis dahin nicht eingeschlafen bin.“, demonstrativ legte ich mich hin und schloss die Augen.

Jetzt starte Carlos einen Versuch.
„Also Windfinder, kläre uns auf. Warum willst Du nicht mit uns trinken?“, Carlos nahm sich zusammen und schaffte es tatsächlich ruhig zu bleiben.
„Ich will Euch doch nur retten. Es wäre ausgesprochen blöde darauf zu trinken, dass es unser letztes Bier für heute ist.“
„Du bist soooo gut zu uns. Wenn Du aber jetzt nicht endlich vollständige Sätze raushaust oder uns vernünftig aufklärst, gibt es haue.“, Carlos hielt seinen Arm hoch und spannte spaßeshalber seinen Bizeps an.

Ich musste Lachen und Franky antwortete tatsächlich mit einem Satz, den sogar wir verstanden.
„Ach Jungs, schaut mal die Uhr. Wenn wir darauf trinken, dass dieses Bier das Letzte für heute ist, dürfen wir fast zweiundzwanzig Stunden kein Bier mehr trinken. Wollt ihr das wirklich?“

Jetzt hielt Franky seine Flasche hoch. Carlos tat es ihm gleich. Ich richtete mich auf und konnte meine Flasche gerade noch greifen, bevor sie sich auf meiner Matratze leerte.
Endlich konnten wir anstoßen und trinken.
Wir tranken und zwar auf eine spannende und erfolgreiche Tour.

Eine Stunde später lag Carlos quer in seinem Bett und schnarchte.
Franky und ich schliefen nicht. Es ging einfach nicht, was weniger an Carlos Schnarchen, sondern an dem laut plätscherndem Regen und dem von Wind schaukelndem Wohnmobil lag.

Ich hatte noch immer „Over the Rainbow“ als Dauerschleife in meinem Kopf und war dabei, einige Stellen ins Deutsche zu übersetzen.
Besonders gut gefiel mir die Stelle: „Weil, da oben, über dem Regenbogen, da ist der Himmel blau, und wenn Du dich traust zu träumen, dann werden diese Träume auch wahr.“
Ich hatte bei der Übersetzung wohl leise zu mir selber gesprochen. Anders war es nicht zu erklären, dass Franky nach unseren letzten beiden Bieren griff. Als er mir einen Wink gab sagte er,
„So soll es sein!“
Zusammen setzten wir uns in die offene Tür vom Wohnmobil und schauten dem Sturm und Regen zu. Der Wind kam von der anderen Seite, sodass wir lediglich nasse Füße bekamen.


Wir schwiegen und es war schön, mit Franky hier zu sitzen und zu schweigen. Erst, als das Gewitter weit draußen auf dem Meer immer stärker wurde, begannen wir wieder damit, uns zu unterhalten. Wir sprachen über unsere alten Herren und lachten darüber, dass die beiden genau jetzt da Oben saßen und sich über uns amüsierten. Wahrscheinlich hatten sie uns das Wetter für die erste Nacht im Wohnmobil geschickt und vorher wurde gewettet, ob wir Schafen konnten oder nicht. Wobei, wer von den beiden hätte auf Schlafen tippen sollen? Wahrscheinlich keiner. Dafür kannten sie uns zu gut.
„Auf Euch.“, wir hielten unsere Falschen, soweit wir nur konnten, dem Himmel entgegen und freuten uns, solch tolle Väter gehabt zu haben.

Ich sprang auf und stellte mich unter den freien Himmel.
Barfuß und nur in Shorts und T-Shirt stand ich im strömenden Regen. Innerhalb von Sekunden war ich nass bis auf die Haut und fühlte mich gut dabei. Es war ein Gefühl der Freiheit. Ich hüpfte von Pfütze zu Pfütze und versank dabei bis zu meinen Knöcheln im Matsch.

Als ich mich umdrehte, sah ich Franky nicht mehr im Eingang sitzen und ärgerte mich, dass er einfach ins Wohnmobil verschwunden war.

Erst als ich mich nach links drehte konnte ich erkennen, dass Franky das Gleich tat wie ich. Wie kleine Kinder sprangen wir durch den Regen und lagen uns irgendwann einfach nur in den Armen.

Unsere Flaschen waren noch zur Hälfte gefüllt und dem Geschmack nach muss die eine Hälfte davon Regenwasser gewesen sein.
Doch es war egal, irgendwie schmeckte es trotzdem.

Auf Frankys Frage, wo wir jetzt noch ein neues Bier herbekommen sollten, antwortete ich erst mit Achselzucken und dann mit,
„Du Scheiße, Bobby ist noch draußen.“
Franky sah mich an.
„Ehrlich?“
„Ganz ehrlich sogar.“
„Dann spielen wir jetzt also das Spiel, dass wir auch auf der Hinfahrt nach Sylt, am Bahnhof in Husum, gespielt haben?“
„Ja.“, rief ich und begann damit, im Entengang die Gegend abzusuchen.
Entengang konnte Franky, dank seiner kaputten Hüfte, nicht und so kroch er auf seinen Knien durch den Matsch.
„Und wenn sie ins Meer gelaufen ist?“
„Glaube ich nicht. Sie wird nicht durch den Sand gegangen sein.“
„Warum nicht?“
„Weil Schildkröten nicht durch Sand laufen. Die verstecken sich lieber unter Sträuchern.“
„Okay, dann suche ich oben in den Büschen.“, Franky ging zum Gebüsch, während ich unter unserem Wohnmobil suchte.

„Kann ich helfen?“, ich erschrak.
„Juli. Was machst Du hier?“
„Die Frage muss wohl lauten, was macht ihr hier?“
„Wir suchen Bobby.“
„Genau das hatte ich mir schon gedacht.“, Juli lachte bevor sie weiter redete.
„Wer oder was ist bitteschön Bobby?“
„Meine Schildkröte.“
„Schildkröte?“
„Ja.“
Nun waren wir schon zu dritt.
Während ich weiter die Gegend um unser Wohnmobil herum absuchte, machte Juli sich auf den Weg zum Strand.

„Am Strand ist sie garantiert nicht. Schildkröten mögen keinen Strand sondern Gebüsche“, rief ich Juli hinterher und sah, wie sie sich bückte und mit etwas in ihren Händen zurückkam.
„Ist das Bobby?“
„Ja. Woher wusstest Du wo sie ist?“
„Weil ich sie dort vorhin gesehen habe.“
„Und Du hast sie einfach da liegen lassen?“
„Woher sollte ich wissen, dass es Deine ist?“
„Das vielleicht nicht. Aber eine Schildkröte am Strand hätte dir doch komisch vorkommen müssen.“
„Nein gar nicht. Das ist doch normal.“
„Schildkröten am Strand von Sylt sind normal?"
„Ja. Oder nicht? Ich denke die Dinger kommen im dunklen aus dem Wasser und legen ihre Eier am Strand ab.“
Ich wartete auf ein Lachen oder zumindest darauf, dass Juli mir nun die tatsächliche Story erzählen würde. Es kam aber keins von beiden und so verabredeten wir, dass wir uns in zwei Minuten an ihrem Wohnmobil treffen wollten. Ich wollte Bobby nur schnell in ihr Gehege bringen und Juli machte sich auf den Weg um Bier aus dem Wohnmobil zu besorgen.

Als wir zusammen im Vorzelt der Mädels saßen, klärte ich Juli über Schildkröten auf. Zunächst erklärte ich ihr den Unterschied zwischen Wasserschildkröten und Landschildkröten und dann natürlich noch, dass Wasserschildkröten nicht wirklich in der Nordsee leben würden.
„Jetzt denkst Du bestimmt, ich bin ne Vollbratze. Stimmt’s?“
„Nein, würde ich nie glauben. Schildkröten sind ja auch ein schwieriges Thema. Die Hauptsache ist doch, dass Du gut zu Vögeln bist.“, ich blieb ernst und war schon ziemlich erleichtert, dass Juli meine Anspielung verstand.
„Du Arsch!. Los, lass uns trinken.“
„Gerne! Prost.“

Juli konnte bei diesem Unwetter auch nicht schlafen. Es war erst ihre zweite Nacht in einem Wohnmobil. Auch die Mädels waren Neuankömmlinge auf dem Campingplatz und kamen aus Berlin, was ich aber schon längst am Akzent erkannt hatte. Nachdem ich erfahren hatte, dass die drei Mädels für drei Wochen hier auf dem Campingplatz bleiben wollten und keine bisher irgendetwas mit Surfen am Hut hatte, waren unsere Bierflaschen leer.
„Möchtest Du ein neues Bier?“
„Eigentlich nicht.“
„Und uneigentlich?“
„Ne Juli. Lass mal. Du willst doch sicherlich schlafen?“
"Nick, meinst Du ich kann jetzt einschlafen? Der Regen, der Wind, das Gewitter…“, ich unterbrach sie.
„Und dann noch ich.“
„Genau. Und dann noch Du.“, Juli stand auf und gab mir einen Kuss auf meine Glatze.
„Also, noch, noch ein Bier?"
„Was hast Du noch?“
„Mädchenbier von Manu.“
„Mädchenbier?“
„Ja, dieses Lemon Zeugs.“
„Dann nehme ich ein Mädchenbier.“
Gerade als ich die Flaschen öffnen wollte fiel mir Franky ein und ich bekam ein ziemlich schlechtes Gewissen.
„Was ist?“
„Franky.“
„Du meinst, er sucht noch immer.“
„Garantiert.“
„Komm Nick, wir retten ihn.“
Zusammen gingen wir zu den oberen Gebüschen und sahen, dass Franky noch immer auf allen vieren vor dem Gebüsch krabbelte und nach Bobby suchte.

Ich war froh, dass es noch immer wie aus Kübeln goss, da Juli und ich in den letzten fünfundvierzig Minuten etwas getrocknet waren und wir auf den wenigen Metern hierher, wieder genauso nass aussahen wie vorher.

Kurz hatten wir überlegt, einen Regenschirm zu benutzen. Verwarfen dies aber ganz schnell und zwar aus zwei Gründen. Erstens hätte Franky dann etwas bemerkt und zweitens hatten wir keinen Schirm. Wer nimmt schon einen Regenschirm mit nach Sylt?

Ich hätte noch eine Ewigkeit zusehen können, wie mein Freund durch den tiefen Matsch kroch. Juli musste sich ihr Lachen verkneifen und erst in dem Moment, als Franky wieder in ein Gebüsch hinein kriechen wollte, erlöste ich ihn.

„Bobby ist wieder da. Du kannst aufhören.“
„Wo war sie?“
„Unten am Strand. Juli hat sie gefunden.“
„Ein Glück. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so an einem laufenden Fischbrötchen hängen würde.“
„Ich habe sie schon ins Wohnmobil gebracht.“
„Sag mal Nick. Hattest Du nicht gesagt, dass wir überall, nur nicht am Strand, suchen müssen?“
„Ja. Da habe ich mich wohl getäuscht.“
„Schön, wie Du dein Tier kennst.“, lachend und froh legte Franky sein Arm um meine Schulter. Ich machte bei Juli das Gleiche und Arm in Arm gingen wir drei zum Wohnmobil der Mädels.

Dass dort bereits unsere Flaschen auf dem Tisch standen registrierte Franky nicht. Er griff einfach nach einer der Bierflasche und meinte,
„Los, auf den Schreck.“, Juli holte sich ein neues Bier und in dem Moment, als wir anstoßen wollten, durfte Juli noch eine Flasche holen. Manu war wach und setzte sich zu uns. Zunächst sträubte sie sich, jetzt Alkohol zu trinken. Nachdem wir sie jedoch als spießige Spaßbremse bezeichnet hatten, trank sie aber doch mit.

Es war Inzwischen fast fünf Uhr. Das Gewitter hatte sich verzogen und der Regen aufgehört. Nur der Wind war noch immer so stark, wie die ganze Nacht. Nachdem Franky uns die neuesten Winddaten übermittelt und erklärt hatte, waren wir schlauer. Zumindest taten wir so. Ich glaube, dass Juli genauso wenig zugehört hatte wie ich und ich vermutete, dass Manu die Ausführungen nicht verstanden hatte. Franky warf mit Fachausdrücken nur so um sich und wenn man ahnungslos war, welche Bedeutungen welches Wort hatte, war es echt schwierig alles zu verstehen. Die Mädels hätten nachfragen können. Ich nicht, da ich alle diese Worte bestimmt schon hunderte Male erklärt bekommen hatte. Kapiert hatte ich es trotzdem bis heute nicht. Ob es an meiner fehlenden Intelligenz oder einfach am fehlenden Interesse daran lag wusste ich nicht und ehrlich gesagt war es mir in diesem Fall auch nicht wichtig. Ich hatte meine eigene Art um den Wind zu messen. Wenn kein Wind war, hingen die Fahnen. Bei wenig Wind bewegten sie sich ein Bisschen und bei starkem Wind flatterten sie wie verrückt.

Wir waren schon längst auf Kaffee umgestiegen und standen wir mit unseren Kaffeebechern in der Hand vor dem Zelt. Der freie Blick auf die tobende Nordsee war einfach atemberaubend schön und ganz langsam konnten wir erkennen, wie es hinten am Horizont hell wurde. Der Morgen war dabei die Nacht abzulösen und Manu war es, die den Einfall hatte ins Meer zu springen.

Frankys Monolog über den Wind, die Strömung, die Wellen und das Baden im dunklen Meer im Allgemeinen, ignorierten wir. Wir liefen hinunter zum Wasser und sprangen in die Wellen hinein. Allerdings blieben wir dicht zusammen und gingen auch nicht weit ins Meer hinaus. Wir wussten schließlich, dass Franky irgendwie Recht hatte. Das Meer konnte schon gefährlich sein und trotzdem hatten wir viel Spaß.

Sogar Franky war mit im Wasser.
Es gab Momente im Leben, da war es schön wieder Kind zu sein
Einfach mal nur zu machen, nicht vorher alles zu überdenken und zu planen!

Als wir wieder aus dem Wasser kamen musste ich komischer Weise an Lina denken. Auch Lina hätte unser morgendlicher Badeausflug gefallen und ich nahm mir vor, es mit ihr zusammen auch mal zu machen.

Wir besorgten uns trockne Sachen aus dem Wohnmobil und gingen zu viert am Ellenbogen spazieren. Auf den Deichen konnten wir die Schafe beim Grasen beobachten und Manu fing an, uns mit kleinen Steinen zu bewerfen. Als wir das Werfen erwiderten, lief sie los und wir jagten hinter ihr her, bis wir oben am Deich angekommen waren.

Die Schafe blökten und sahen uns verdutzt an. Auch für sie war es eine neue Erfahrung, um diese Uhrzeit vier Verrückte Menschen laut lachend durch ihr Revier laufen zu sehen. Jogger kannten sie, aber was wir jetzt aufführten, war schon verrückt.

Vor allem ab dem Moment, als Juli auf die Idee kam, sich auf Manus Seite zu stellen und die beiden Mädels damit begannen, uns mit Schafsköteln zu bewerfen.

Logisch nahmen wir das Duell an und starteten eine Schlacht, die der Deich noch nie gesehen hatte. Ob uns jemand dabei beobachtet hatte wussten wir nicht, es war uns allerdings auch, im wahrsten Sinne, Pupsegal.
Erschöpft, doch keineswegs müde, kamen wir zu unseren Wohnmobilen zurück und setzten uns leise in die Windgeschützte Ecke neben das Vorzelt der Mädels. Wir wollten Bine und Carlos schlafen lassen.
Ganz leise unterhielten wir uns über frühere Erlebnisse und immer dann, wenn Franky mit dem Erzählen an der Reihe war, mussten wir uns zusammennehmen, nicht laut zu lachen. Er war ein toller Erzähler und aus meiner Sicht war ein Alleinunterhalter an ihm verloren gegangen. Er hatte es einfach drauf und seine ausgeprägte Gestik und Mimik suchte seines Gleichen.

Es war schön und ich freute mich, wieder auf Tour zu sein. Wieder Dinge ab vom Alltag zu erleben. Auch wenn mein Alltag ganz bestimmt keine Langeweile aufkommen ließ. Aber alleine für die letzte Nacht und diesem Morgen, hatte es sich gelohnt, das Wohnmobil zu chartern.
Ich musste schmunzeln, denn immerhin war ich nur circa zwanzig Kilometer von meinem neuen Zuhause entfernt und trotzdem war alles ganz anders.

„Was wird hier um diese Uhrzeit schon gelacht?“, hörten wir eine Stimme rufen, während wir von einer Fahrradklingel aus den Gedanken gerissen wurden.
Carlos und Bine standen, nur wenige Schritte, hinter uns und hatten einen Fahrradsattel unter ihren Hintern.
„Fang.“, Carlos warf mir einen Stoffbeutel entgegen, während Bine mit gespieltem Entsetzten fragte, weshalb es noch nicht nach Kaffee duften würde.
Ruckzuck war der Tisch gedeckt und der Kaffeeduft war aus dem Wohnmobil bis ins Vorzelt zu schnuppern.
Abgewaschen wurde zusammen und als Juli plötzlich mit Bobby in den Händen zu uns zurückkam, staunten die beiden anderen Mädels nicht schlecht.
Franky erzählte von der nächtlichen Suche und da Juli mich flehend ansah, verkniff ich mir weitere Details über ihr Fachwissen von Schildkröten zu erzählen. Auch wenn es mir sehr schwer fiel. Somit waren wir uns quitt. Sie verschwieg dafür, dass ich Franky noch fast eine Stunde unnötig durch die Matschwiesen habe krabbeln lassen.

Dann ging es los.

Als die Mädels damit begonnen hatten, ihre Surfbretter vom Dach des Wohnmobils zu holen lachten Carlos und ich. Während sich Carlos über die Bretter ausließ, stellte ich mir die Frage, wie die sie bei dem Wind und diesen großen Wellen ihre ersten Surfversuche starten wollten.

Doch Mädels waren fest davon überzeugt, dass sie das Ding schon schaukeln würden.

Schaukeln tat es dann auch ordentlich. Das Meer spielte mit ihren Brettern und es sah mehr danach aus, als wenn die drei Mädels eine andere Variante von „Fang den Hut“ spielen würden.
„Sag mal Carlos, warum bringst Du ihnen nicht das Surfen so bei, wie Du es bei mir gemacht hast? Ich meine, erst am Strand auf Brett hüpfen und Trockenübungen machen? Einfach, damit die Mädels zunächst etwas Gefühl für das Brett bekommen.
„Ganz einfach. Erstens haben sie nicht danach gefragt. Zweitens macht es bei dem Wind für Anfänger tatsächlich null Sinn und drittens macht es viel Spaß, den Girls beim ins Wasser fallen zuzusehen.“

Dass es keinen Sinn hatte, merkte ich bereits vor den Mädels. Nachdem ich einige kurze Strecken im Weißwasser absolviert hatte und keine Chance hatte, auch nur etwas weiter hinaus auf das Meer zu gelangen, hörte ich auf. Ich sah lieber den Mädels dabei zu, wie sie noch immer „Fang das Brett“ spielten und bat Franky, einige Bilder von den Mädels zu machen.

„Was meinst Du, was ich seit ner halben Stunde machte?“, Franky lachte, konnte mir die Bilder auf dem Display allerdings nicht zeigen, da er Sekündlich mit neuen lustigen Szenen rechnen musste.

Erst als Carlos aufs Wasser ging hörte Franky auf, die Mädels zu knipsen. Ich lief hinauf zum Wohnmobil, da Franky sein Stativ vergessen hatte und er bei diesem Wind, das jetzt benötigte große Objektiv, mit seinen Händen nicht ruhig genug halten konnte.

Nach wenigen Minuten war ich zurück und erntete böse Blicke, da ich mir, aus Frankys Sicht, viel zu viel Zeit gelassen hatte.
„Hallo, ich mich echt beeilt. Fliegen kann ich nicht.“
„So so, echt beeilt?“
„Ja!“, Franky sah mich böse an.
„Warum guckst Du so böse?“
„Wenn Du dich echt beeilt hast, wie kommt dann der frische Kaffee in die Thermoskanne?“
„Nun ja, den habe ich noch schnell gekocht.“, gab ich reumütig zu.
„Wegen Dir habe ich einen Dreifachloop verpasst.“
„Dann muss Carlos halt noch einen machen.“
„Du Vollhorst! Ich denke Du hast Ahnung vom Surfen?“
„Hab ich ja auch.“
„Hast Du nicht. Sonst würdest Du wissen, dass ein Dreifachloop nicht einfach nur mal so gesprungen wird. Den können nur die wenigsten und das auch erst seit ein paar Monaten.“
„Du hättest das blöde Stativ ja auch selber holen können. Oder noch viel besser, Du hättest es ja einfach nicht vergessen brauchen.“, beleidigt ging ich einige Schritte weiter und setzte mich zu den Mädels. Sie hatten endlich eingesehen, dass es für sie heute keinen Sinn machte, auf dem Wasser zu sein.

Dafür saßen sie jetzt mit staunendem Blick auf ihren Brettern und sahen Carlos bei seinen Manövern und Sprüngen zu.
„Der hat es aber drauf.“
„Ja, fast so wie ihr.“
„Du warst auch nicht besser.“, Juli grinste und hatte leider Recht. Bei dem Wind hatte ich keine Chance, etwas länger auf dem Brett zu bleiben.

Da ich meinem Freund nie lange böse sein konnte, ging ich wieder zu Franky.
„Wenn Du mir jetzt auch noch Tipps geben willst, wie ich die Bilder machen soll, kannst Du gleich wieder verschwinden.“
„Würde ich das wagen?“
„Ja würdest Du.“
„Will ich aber nicht. Ich wollte eigentlich nur fragen, ob Du einen Kaffee möchtest?“
„Ja gerne, vergiss aber nicht, wie Du es sonst so gerne machst, mit dem Kaffee zu mir zurück zu kommen. Einen kalten brauchst Du aber auch nicht anschleppen.“
„Keine Angst, Christa ist ja nicht hier.“

Wir lachten beide und ich machte mich auf den Weg zu den Mädchen und der Thermoskanne. Über die Anspielung von Franky ärgerte ich mich nicht. Ich war es schließlich, der in den letzten Wochen ständig vergessen hatte, Franky einen Kaffee mitzubringen. Wenn er Glück hatte, kam ich manchmal aber auch mit einem Kaffee zurück. Der war dann allerdings immer kalt, da ich tatsächlich jedes Mal Christa getroffen hatte und wir noch geklönt haben.

„Na, seid ihr wieder lieb zu einander?“
„Ja Manu, wir sind wieder lieb. Ich hole nur schnell einen Kaffee für Franky und mich und dann seid ihr mich auch wieder los.“

Schnell goss ich mir einen Becher ein und nahm den ersten Schluck. Zusammen sahen wir vier noch einen Augenblick bei Carlos tollen Sprüngen zu und als ich die Kanne erneut in die Hand nahm, um Franky einen Becher Kaffee zu bringen, sah ich die Girls fragend an.
„Was ist?“, wollte Bine wissen.
„Der Kaffee ist alle.“, erst jetzt sah ich, dass Manu, Bine und Juli einen gefüllten Kaffeebecher in ihren Händen hielten.
„Dann kochst Du halt neu.“, Manu konnte nicht wissen, wie häufig ich Franky in den letzten Wochen mit Kaffee versetzt hatte und so verstand sie meinen ärgerlichen Blick natürlich nicht.
„Wo genau ist Dein Problem.“
„Wenn ich das jetzt auch noch erklären würde, kommt Franky nie zu seinem Kaffee. Bis gleich.“, ich lief hinauf zum Wohnmobil um neuen Kaffee zu kochen. Erst als ich in der Küche stand, fiel mir ein, dass unser Kaffee alle war. Ich hatte vorhin den Rest genommen.






Im Eiltempo rannte ich wieder hinunter zum Strand. Franky war zum Glück so sehr mit seinen Fotos beschäftigt, dass er kein Auge für mich hatte und so konnte ich unbemerkt zu Juli schleichen.

„Spielst Du Indianer?“, hörte ich Manu sagen, als ich bei den Mädels ankam.
„Psst.“
„Nein, erspielt Sesamstraße. Psst, willst Du ein E kaufen?“, Bine machte sich über mich lustig und Manu kriegte sich vor Lachen nicht wieder ein.
„Juli, hast Du den Schlüssel?“, flüsterte ich.
„Euren Schlüssel? Nein, den habe ich nicht.“
„Nicht unseren. Euren Schlüssel.“
„Ja.“
„Dann komm schnell mit."
„Was ist los?“
„Erzähle ich Dir im Wohnmobil.“

Wir liefen los und bekamen von Manu noch hinter gerufen, dass wir keine schmutzigen Sachen machen sollten.
Während wir liefen wollte Juli endlich wissen, was es so wichtiges geben würde, doch ich griff einfach ihre Hand und zog sie hinter mir her. Nachdem Juli aufgeschlossen hatte, stürzte ich hinein und verschwand sofort hinter der Küchenzeile.

„Nick, sagst Du mir jetzt endlich was los ist?“
„Kaffee. Ich muss dringend für Franky Kaffee kochen. Ich kann ihn nicht schon wieder ohne Kaffee stehen lassen.“
„Wirst Du wohl müssen.“
„Warum?“, ich sah Juli entsetzt an.
„Erinnerst Du Dich an gestern und heute Nacht?“
„Klar. Was soll denn die blöde Frage jetzt?“, fragte ich, während ich Wasser in die Kaffeemaschine füllte.
„Lass es.“
„Warum? Willst Du mir keinen Kaffee leihen?“
„Doch klar.“
„Dann lass mich jetzt schnell Kaffee kochen und wenn er durchläuft erzählst Du mir, was der gestrige Tag und die heutige Nacht mit dem Kaffee zu tun haben soll.“, ich sah mich um und fand die Kaffeedose oben auf dem Regal. Voller Euphorie griff ich nach ihr, riss den Deckel hoch und sah nichts. Ich blickte in eine leere Dose und ging automatisch zwei Schritte nach rechts, um den Kühlschrank zu öffnen.
„Kannst Du dir sparen.“
„Was?“
„Den Kühlschrank zu öffnen. Da ist auch kein Kaffee.“
„Wo denn? Kaffee gehört in den Kühlschrank.“
„Ich weiß.“
„Was weiß Du?“
„Ich weiß, dass Kaffee zur Aufbewahrung in den Kühlschrank gehört.“
„Aber er ist hier nicht.“
„Nick, wenn wir noch Kaffee hätten, wäre er im Kühlschrank. Wir haben den Kaffeevorrat in den letzten vierundzwanzig Stunden vernichtet. Woher sollten wir wissen, dass wir hier mit drei verrückten Tag und Nacht ein Kaffeewetttrinken veranstalten?“, Juli lachte herzhaft, während mir gar nicht zum Lachen zu Mute war.

Kurz sah ich mich um und erblickte eine Packung Kamillentee.
„Darf ich?“
„Was?“
Ich nahm die Packung und hielt sie Juli entgegen. Leider gab es keinen Wasserkocher und so ließ ich das benötigte Wasser einfach durch die Kaffeemaschine laufen. Anschließend goss ich es in die Thermoskanne und tat drei Beutel Kamillentee hinein.
Juli verzog ihr Gesicht ohne dabei ein Wort zu sagen. So ganz sicher, ob Franky sich über mein Mitbringsel freuen würde war ich mir zwar nicht, doch mir war klar, dass ich ohne Heißgetränk nicht bei ihm antanzen brauchte.

Unten am Strand wischte ich einen der Kaffeebecher mit einem Papiertaschentuch aus und füllte diesen anschließend mit dampfendem Tee. Langsam ging ich zu Franky und überreichte ihm den Becher.
„Verdammt heiß der Becher. Aber mir ist auch ganz schön kalt und irgendwie hat es auch ziemlich lange gedauert. Ich hatte schon Angst, Du hast mich wieder vergessen.“
„Quatsch! Versprochen ist versprochen.“
Mit einem Auge durch die Kamera schielend führte Franky den Becher zum Mund und nahm einen kräftigen Schluck. Ich war beruhigt, es schien ihm zu schmecken. Wahrscheinlich war ihm alles recht, Hauptsache es wärmte ihn wieder etwas auf.

Plötzlich drehte er sich ruckartig zu mir um. Während dieser Bewegung spuckte er den Kamillentee in meine Richtung. Dank des starken Windes, aber knapp an mir vorbei.
„Willst Du mich vergiften? Das ist doch kein Kaffee.“
„Nein, der war leer. Aber dafür leckerer Kamillentee. Der ist bei dem Wind auch viel besser, der wärmt dich so richtig schön durch.“
„Kamillentee? Ich mag keinen Kamillentee! Und überhaupt, nach Kamillentee schmeckt das Zeug auch nicht.“
„Ich find es lecker.“
„Dann trink!“, Franky drückte mir den Becher in die Hand und befahl mir ihn zu trinken. Immerhin mochte ich das Gesöff ja angeblich so gerne.
„Und wehe, Du spuckst ihn hier in den Sand. Ich passe auf.“
Es war wirklich ekelig, doch ich wollte mir nichts anmerken lassen und so trank ich, im Beisein von Franky, den Becher komplett aus.
„Ich weiß gar nicht, was Du hast? Nur weil Du nichts anderes als Bier und Kaffee trinkst, muss ja nicht alles andere schlecht sein.“, ich ging rüber zu Juli, die bei ihren Mädels saß.
„War es sehr schlimm?“, Juli war neugierig.
„Ja. Gib her, ich schütte den Rest aus der Thermoskanne weg.“
„Schon erledigt. Ich hatte Angst, dass Franky sonst von Dir verlangt, dass Du auch den Rest trinken musst.“

Carlos blieb noch eine ganz Weile auf dem Wasser und Franky schoss ein Bild nach dem anderen. Ich fuhr los, um den Wassertank zu füllen und ging danach mit den Mädels einkaufen. Wir wollten heute Abend grillen und brauchten noch die komplette Ausstattung an Lebensmitteln dafür.
Kaffee kauften wir gleich mehrere Pakete. Vorsichtshalber!

Endlich waren wir vom Einkaufen zurück und ich lag auf meinem Bett, als meine beiden Freunde ihre Session endlich beendet hatten und auch im Wohnmobil ankamen. Carlos sprang unter die Dusche und während Franky im Internet nach den Windprognosen für morgen Ausschau hielt, kochte ich für uns einen richtig starken Kaffee.

Mit den Kaffeebechern in der Hand lagen wir alle kaputt auf unseren Betten und unterhielten uns. Als Franky mit seiner Rede über die Windverhältnisse für morgen fertig war, wechselte ich das Thema und konnte endlich das erzählen, was ich schon seit gestern vor mir herschob.
„Habt ihr schon eine Idee, was wir am Wochenende machen wollen?“
„Was ist denn dass für ne Frage?“, wollte Carlos wissen und Franky ergänzte,
„Son Scheiß fragst Du sonst nicht mal. Ich meine dann, wenn wir nicht auf Tour sind. Wie kommst Du jetzt auf diesen Quatsch?“
„Nur so.“
„Genau! Nur so. Du bist ein Spacken.“
„Was bin ich?“
„Ein Spacken.“, meine Freunde lachten.
„Es ist gemein, so was zu mir zu sagen.“
„Nein, gemein ist es, uns anzulügen.“
Franky griff nach seiner Kamera und beugte sich zu Carlos, um ihm die Fotos zu vom heutigen Tag zu zeigen.

„Hey, ihr ignoriert mich. Wie fies!“
„Dann sag was Du willst und wir sind ganz Ohr.“, nur kurz sah Carlos zu mir und richtete dann seinen Blick wieder zur Kamera.
Ich überlegte, wie ich es am besten verpacken konnte und legte dann doch einfach ohne Verpackung los.
„Ich habe, als wir auf der Hinfahrt Lina und ihre Oma getroffen hatten, Lina versprochen, dass sie uns nächstes Wochenende hier besuchen darf.“
„Ist okay.“, Carlos sah mich an.
„Und ich habe ihr gesagt, dass ich sie Freitag nach der Schule abhole und sie bis Sonntag bleiben kann.“
„Wie cool für die Kleine.“, auch Franky sah mich nun an.
„Und weiter?“, wollte ich wissen.
„Nichts weiter. Echt ne super Idee von Dir. Ich bringe ihr dann Surfen bei.“
„Und ich gehe mit ihr auf Foto-Tour. Das wollte sie doch sowieso gerne mal machen.“
Etwas verwirrt sah ich meine Freunde an und mir wurde wieder einmal bewusst, dass ich die Besten Freunde der Welt hatte.


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ABER mit Widmung nur bei mir direkt ... oder über den Traumstunden Verlag Essen ...

Einen tollen Abend wünscht

Ben

 

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